Chronobiologie in der Hautpflege – Wie der biologische Rhythmus die Haut beeinflusst

Chronobiologie in der Hautpflege – Wie der biologische Rhythmus die Haut beeinflusst

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Field Notes
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Juni 2026 · 14 Min. Lesezeit

Chronobiologie in der Hautpflege – Wie der biologische Rhythmus die Haut beeinflusst

Ihre Haut kennt die Uhrzeit. CLOCK-Gene, zirkadiane Oszillatoren und Melatonin in Hautzellen steuern, wann Reparatur, Schutz und Erneuerung stattfinden – und warum der Zeitpunkt der Pflege so entscheidend ist wie die Formel selbst.

Die Chronobiologie – die Wissenschaft von biologischen Rhythmen – hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten fundamentale Erkenntnisse darüber geliefert, wie nahezu jedes Organ des menschlichen Körpers einem präzisen zeitlichen Programm folgt. Seit der Nobelpreisverleihung 2017 an Jeffrey C. Hall, Michael Rosbash und Michael W. Young für die Entschlüsselung der molekularen Mechanismen der zirkadianen Uhr wissen wir: Biologie ist zu einem erheblichen Teil Chronologie. Was für Leber, Herz und Immunsystem gilt, gilt in besonderem Maße auch für das größte Organ des menschlichen Körpers – die Haut.

Die Haut ist nicht nur passiv dem Wechsel von Tag und Nacht ausgesetzt. Sie besitzt eine eigenständige, periphere zirkadiane Uhr, die unabhängig vom zentralen Schrittmacher im Nucleus suprachiasmaticus des Hypothalamus tickt. Keratinozyten, Fibroblasten, Melanozyten und epidermale Stammzellen – sie alle exprimieren CLOCK-Gene und regulieren auf deren Basis Proliferation, DNA-Reparatur, Barrierefunktion, Pigmentierung und Immunantwort in einem 24-Stunden-Rhythmus.

Für die moderne Hautpflege ergibt sich daraus eine ebenso schlichte wie weitreichende Konsequenz: Die Wirksamkeit eines Wirkstoffs hängt nicht nur von seiner chemischen Qualität ab, sondern auch davon, wann er auf die Haut trifft. Chronokosmetik ist keine Marketingkategorie – sie ist angewandte Biologie.

~20%
der Hauttranskriptome
unterliegen zirkadianer Regulation
(Akashi & Nishida, 2000)
höhere DNA-Reparaturkapazität
in der Haut am frühen Abend
vs. frühem Morgen
(Gaddameedhi et al., 2015)
02:00
Uhr: Peak der epidermalen
Stammzellproliferation
(Plikus et al., 2021)

CLOCK-Gene: Die molekulare Uhr der Haut

Das zirkadiane System der Haut beruht auf einem eleganten molekularen Rückkopplungsmechanismus. Im Kern stehen vier Proteinkomplexe: CLOCK und BMAL1 bilden einen positiven Arm des Regelkreises, indem sie als Transkriptionsfaktoren die Expression der Periode-Gene Per1, Per2 und Per3 sowie der Cryptochrom-Gene Cry1 und Cry2 antreiben. Die resultierenden PER- und CRY-Proteine wiederum hemmen nach einer Verzögerung von mehreren Stunden die Aktivität des CLOCK/BMAL1-Komplexes. Dieser negative Rückkopplungskreis läuft mit einer Periodendauer von annähernd 24 Stunden.

Was macht diesen Mechanismus für die Hautbiologie so bedeutsam? Erstens sind CLOCK-Gene nicht nur in der Haut nachweisbar – sie sind dort außerordentlich aktiv. Studien an humanen Keratinozyten zeigen robuste zirkadiane Oszillationen für alle Kernuhrgene. Zweitens steuern diese Gene über sogenannte Clock-Controlled Genes (CCGs) eine breite Palette nachgeordneter biologischer Prozesse: von der Zellzyklusregulation über die Barrieresynthese bis hin zur Immunmodulation.

Besonders relevant ist das Uhrengen Per2, das in der Epidermis die Expression des Tumorsuppressors p21 und des DNA-Schadenssensors p53 zeitlich koordiniert. Bei Mäusen mit mutiertem Per2-Gen wurde eine erhöhte Strahlenempfindlichkeit und beschleunigte Tumorbildung nach UV-Exposition beobachtet (Fu et al., 2002). Die CLOCK-Gene der Haut sind damit keine biologische Kuriosität, sondern ein integraler Bestandteil des kutanen Schutzsystems.

Ein weiterer zentraler Akteur ist BMAL1. In epidermalen Keratinozyten kontrolliert BMAL1 die Synthese von Filaggrin und Loricrin – beides Strukturproteine, die für die Integrität der Hautbarriere essenziell sind. Knockout-Modelle, in denen BMAL1 in der Epidermis spezifisch ausgeschaltet wurde, zeigen eine deutlich gestörte Barrierefunktion mit erhöhtem transepidermalem Wasserverlust (TEWL) und erhöhter Entzündungsbereitschaft (Geyfman et al., 2012).

Wissenschaftliche Einordnung

Die peripheren Uhren der Haut sind nicht vollständig autonom. Sie werden durch den zentralen Schrittmacher im Nucleus suprachiasmaticus synchronisiert – vor allem über Cortisol und Körperkerntemperatur. Gleichzeitig reagieren Hautzellen direkt auf lokale Zeitgeber wie Licht, Temperatur und mechanischen Druck. Diese doppelte Regulation macht die Haut zu einem chronobiologisch besonders komplexen Organ.

Periphere Uhren und ihre Synchronisation

Die Hautuhr ist eine sogenannte periphere Uhr – ein zirkadianesOszillatorsystem außerhalb des zentralen Nervensystems. Im Gegensatz zur zentralen Uhr im Hypothalamus kann die Hautuhr durch lokale Signale unabhängig synchronisiert werden. Forschungsarbeiten von Tanioka et al. (2009) zeigten, dass lokale Lichtexposition in der Haut die Phasenlage der zirkadianen Uhrgene verschieben kann, ohne dass die zentrale Uhr beteiligt ist. Dies hat praktische Konsequenzen: Schichtarbeit, Jetlag und unregelmäßige Schlafgewohnheiten können die Hautuhr desynchronisieren, ohne dass dies durch subjektive Müdigkeit unmittelbar spürbar wäre. Die biologischen Folgen – gestörte Barrierefunktion, erhöhte UV-Sensitivität, verlangsamte Wundheilung – manifestieren sich dennoch.

Hautbarriere im Tagesverlauf: Schutz und Durchlässigkeit

Die epidermale Barriere ist keine statische Struktur. Ihre Permeabilität, Hydratation und Fähigkeit zur Lipidsynthese unterliegen einem klaren zirkadianen Rhythmus. Der transepidermale Wasserverlust (TEWL) – ein Standardmaß für die Barrieresintegrität – zeigt beim Menschen einen charakteristischen Tagesverlauf: Er ist in den frühen Morgenstunden erhöht und erreicht sein Minimum am frühen Nachmittag.

Dies entspricht einer biologischen Logik: In den Abend- und Nachtstunden, wenn die Haut keinen UV-Strahlen ausgesetzt ist und die Körpertemperatur sinkt, steigt die Proliferationsaktivität der Keratinozyten. Die Synthese von Ceramiden, freien Fettsäuren und Cholesterin – den drei wesentlichen Lipidkomponenten der Hautbarriere – läuft bevorzugt in den späten Abendstunden ab. Der Fettgehalt des Stratum corneum zeigt entsprechende diurnale Schwankungen.

Kang et al. (2015) konnten in humanen Hautbiopsien nachweisen, dass die Expression des Schlüsselenzyms der Ceramidsynthese, Serine-Palmitoyltransferase (SPT), einem zirkadianen Rhythmus mit einem Peak zwischen 20:00 und 02:00 Uhr folgt. Die praktische Schlussfolgerung: Präparate, die Ceramidprecursoren oder -analoga enthalten, können in der Nacht auf eine besonders aufnahmefähige, barrieresynthetisch aktive Haut treffen.

Zur Einordnung

Hautbarriere-Messungen sind stark von Umgebungstemperatur, Luftfeuchtigkeit und individuellen Faktoren abhängig. Die hier beschriebenen zirkadianen Muster gelten für gesunde Erwachsenenhaut unter standardisierten Bedingungen. Bei Atopischer Dermatitis, Psoriasis und anderen Hauterkrankungen können die Rhythmen abweichen oder verändert sein.

Permeabilität als chronobiologische Variable

Die tagesrhythmische Permeabilitätsveränderung der Haut hat eine weitere Dimension: Die Penetration topisch applizierter Wirkstoffe variiert je nach Tageszeit. Studien mit Hydrocortison zeigen eine höhere kutane Absorption in den Abendstunden gegenüber dem Morgen. Ähnliche Befunde liegen für Minoxidil, Retinsäure und verschiedene nichtsteroidale Antirheumatika vor. Ob dieser Effekt primär auf veränderte Barriereeigenschaften oder auf zirkadiane Unterschiede in der epidermalen Stoffwechselaktivität zurückgeht, ist noch nicht abschließend geklärt – wahrscheinlich wirken beide Faktoren zusammen.

Für die Formulierungsstrategie von Hautpflegeprodukten ergibt sich hieraus: Ein Nachtprodukt, das mit der erhöhten Lipidsynthese und der veränderten Permeabilität der Abendstunden arbeitet, nutzt die Biologie der Haut aktiv. Tagespflege hingegen sollte primär auf Schutz – UV-Filter, Antioxidantien, Barrierestabilisierung – ausgerichtet sein, da die Haut tagsüber defensiv agiert.

UV-Empfindlichkeit und zirkadiane DNA-Reparatur

Die Empfindlichkeit der Haut gegenüber UV-Strahlung ist nicht konstant – sie schwankt im Tagesverlauf erheblich. Gaddameedhi et al. (2015) publizierten in einer vielbeachteten Studie im Proceedings of the National Academy of Sciences, dass Mäuse in den frühen Morgenstunden (biologisch aktive Phase) deutlich empfindlicher auf UV-B-Strahlung reagieren als am frühen Abend. Die Bildung von Cyclobutan-Pyrimidin-Dimeren (CPDs) – der häufigsten Form UV-induzierter DNA-Schäden – war in der sensitiven Phase bis zu viermal höher, und die Inzidenz von Plattenepithelkarzinomen nach chronischer Exposition war signifikant erhöht.

Der Schlüsselmechanismus liegt in der zirkadianen Steuerung des Nukleotid-Exzisionsreparatur(NER)-Systems. Das Protein XPA (Xeroderma Pigmentosum Komplementationsgruppe A), ein zentrales Erkennungsprotein der NER-Maschinerie, zeigt eine ausgeprägte tagesrhythmische Expression mit einem Peak in den Abendstunden. Wenn XPA in hoher Konzentration vorliegt, kann die Haut DNA-Schäden effizienter erkennen und reparieren. In den frühen Morgenstunden, wenn XPA-Spiegel niedrig sind, bleibt mehr Schadenspotenzial unrepariert.

Diese Befunde wurden in humanen Hautzellen bestätigt. Beecher et al. (2021) zeigten, dass die NER-Aktivität in primären humanen Keratinozyten am frühen Abend signifikant höher war als am Morgen, in enger Korrelation mit der Expression der Uhrgene BMAL1 und PER2.

„Die Uhr der Haut bestimmt, wie gut sie sich gegen Licht verteidigt – und wie gut sie den Schaden danach repariert. UV-Schutz ist damit nicht nur eine Frage der Lichtschutzfaktor-Zahl, sondern auch der inneren Uhrzeit."

Konsequenzen für antioxidativen Schutz

Parallel zur DNA-Reparatur zeigt auch das endogene antioxidative System der Haut zirkadiane Rhythmen. Die Aktivität der Superoxid-Dismutase (SOD), Katalase und Glutathion-Peroxidase – den drei Hauptsäulen der enzymatischen Antioxidation – folgt einem diurnalen Muster mit erhöhter Aktivität in den Abendstunden. Zugleich ist die Konzentration von Vitamin C im Stratum corneum morgens vergleichsweise gering und akkumuliert im Tagesverlauf durch die Aktivität von Ascorbattransportern.

Für die Formulierung antioxidativer Tagespflege bedeutet dies: Exogen zugeführte Antioxidantien – Vitamin C, Vitamin E, Niacinamid, polyphenolische Pflanzenstoffe – füllen eine biologische Schutzlücke auf, die morgens besonders ausgeprägt ist. Das NATURFACTOR Bioactive Infusion Complex™ berücksichtigt diese zirkadiane Dynamik durch die Kombination lipophiler und hydrophiler Antioxidantien, die unterschiedliche Kompartimente der Epidermis abdecken.

Melatonin in der Haut: Mehr als ein Schlafhormon

Melatonin ist im öffentlichen Bewusstsein primär als das „Schlafhormon" der Zirbeldrüse verankert. Die Forschung der letzten fünfzehn Jahre hat jedoch ein weitaus komplexeres Bild gezeichnet: Melatonin wird in der Haut selbst synthetisiert, und seine Funktionen dort gehen weit über die Signalvermittlung für Schlaf hinaus.

Slominski et al. (2005, 2018) wiesen nach, dass humane Keratinozyten, Melanozyten und Fibroblasten über eine vollständige Melatonin-Biosynthesemaschinerie verfügen – einschließlich der Enzyme Arylalkylamin-N-Acetyltransferase (AANAT) und Hydroxyindol-O-Methyltransferase (HIOMT). Die kutane Melatoninproduktion ist dabei von der Zirbeldrüse unabhängig und reagiert auf lokale Stimuli wie UV-Strahlung, oxidativen Stress und Entzündungsmediatoren.

In der Haut erfüllt Melatonin drei zentrale Funktionen:

01

Antioxidativer Schutz

Melatonin ist ein direkter Fänger reaktiver Sauerstoffspezies (ROS) mit einer Effizienz, die jene von Vitamin E übertrifft. Es reagiert mit Hydroxyl-Radikalen, Superoxid-Anionen und Peroxynitrit und schützt so Lipide, Proteine und DNA vor oxidativer Schädigung. Besonders relevant ist, dass Melatonin und seine Metaboliten (Cyclic 3-Hydroxymelatonin, AFMK) kaskadenartig als Antioxidantien wirken – ein Melatonin-Molekül kann mehrere Radikale neutralisieren.

02

Modulation der Melanogenese

Melatonin beeinflusst über MT1- und MT2-Rezeptoren sowie über direkte Interaktion mit der Tyrosinase die Melaninsynthese in Melanozyten. Es wirkt dabei in Abhängigkeit von Konzentration und Kontext sowohl stimulierend als auch hemmend auf die Pigmentierung. Diese duale Rolle unterstreicht die Bedeutung präziser, zeitlich koordinierter Melatonin-Signale für eine gleichmäßige Pigmentierung.

03

Zellzyklusregulation und Apoptose

Melatonin zeigt in Hautzellen antiproliferative und proapoptotische Wirkungen gegenüber geschädigten oder malignen Zellen, während es gesunde Keratinozyten schützt. Diese selektive Wirkung wird über die Interaktion mit nukleären Rezeptoren (RORα, RORβ) und den Mitochondrienweg der Apoptose vermittelt und ist eng mit der zirkadianen Uhrmaschinerie verknüpft.

Chrono-Barrier Perspektive

Die kutane Melatoninsynthese steigt nach UV-Exposition als Schutzreaktion an. Gleichzeitig sind Melatoninrezeptoren in der Epidermis nachtaktiv – die Haut ist in den Abendstunden besonders empfänglich für melatoninvermittelte Signale. Topisch applizierte Formulierungen, die die nächtliche Melatonin-Rezeptivität nutzen, können daher eine biologisch günstige Wirkungszeit ansprechen. NATURFACTOR berücksichtigt diese zeitliche Dimension im Rahmen seiner Chrono-Barrier Skin Science™.

Stammzellaktivität und nächtliche Hauterneuerung

Die Epidermis erneuert sich kontinuierlich: In einem Zyklus von etwa 28 bis 40 Tagen wandern Keratinozyten von der basalen Schicht durch die suprabasalen Schichten bis hin zum Stratum corneum, wo sie als Korneozyten abgeschilfert werden. Dieser Prozess ist nicht gleichmäßig über die Zeit verteilt – er folgt einem klar ausgeprägten zirkadianen Rhythmus.

Die Proliferationsrate epidermaler Stammzellen und basaler Keratinozyten erreicht ihr Maximum in den späten Abend- und frühen Nachtstunden. Klassische Studien mit thymidinnukleotid-markierten Hautzellen zeigten bereits in den 1970er Jahren, dass die mitotische Aktivität in der Haut von Säugetieren zwischen Mitternacht und 02:00 Uhr ihren Höhepunkt erreicht – ein Befund, der durch moderne Studien mit Fluoreszenzmarkierung und Einzelzell-Transkriptomik bestätigt und mechanistisch aufgeklärt wurde.

Plikus et al. (2021) veröffentlichten in Science eine wegweisende Arbeit zur zirkadianen Kontrolle des Haarfollikel-Stammzellzyklus, die grundlegende Prinzipien auch für epidermale Stammzellen verdeutlichte: Die zirkadiane Uhr koordiniert über Wnt-Signalwege und den Wachstumsfaktor IGF-1 die Aktivierungsphasen von Stammzellen, deren DNA-Replikation bevorzugt in den frühen Nachtstunden stattfindet. Der Grund für diese nächtliche Bevorzugung ist funktionell logisch: Tags weist die Haut hohe UV-Strahlung auf – eine Mutation während der DNA-Replikation unter UV-Exposition wäre hochriskant. Nachts entfällt dieses Risiko.

Wachstumsfaktoren im Nachtrhythmus

Mit der erhöhten Stammzellaktivität gehen erhöhte Konzentrationen bestimmter Wachstumsfaktoren und Zytokine in der Nacht einher. EGF (Epidermal Growth Factor), KGF (Keratinocyte Growth Factor) und TGF-β1 zeigen zirkadiane Expressionsmuster in Fibroblasten und Keratinozyten mit erhöhter nächtlicher Aktivität. Ebenso steigt die Aktivität von Matrixmetalloproteinasen (MMPs) und deren Gewebeinhibitoren (TIMPs) im Nachtrhythmus – ein Zeichen aktiver Extrazellulärmatrix-Umbauprozesse.

Diese nächtliche Reparatur- und Erneuerungsphase erklärt die biologische Rationale für Nachtpflegeprodukte aus einer neuen Perspektive: Nicht der subjektive Ruhebedarf begründet die Notwendigkeit einer spezifischen Nachtpflege, sondern die objektiv messbar erhöhte biologische Aktivität der Haut in dieser Phase. Peptide, Retinol und Hydroxy-Säuren – Wirkstoffe, die zelluläre Erneuerungsprozesse unterstützen können – entfalten ihre Wirkung in einem Hautzustand, der für Regeneration vorbereitet ist.

Chrono-Barrier Skin Science™: Der NATURFACTOR Ansatz

NATURFACTOR entwickelt seine Produktphilosophie auf Basis der vier Kernfaktoren Environment · Recovery · Rhythm · Care – ein Rahmen, der die chronobiologischen Erkenntnisse der Hautforschung in eine kohärente Pflegeroutine überführt. Der Begriff Chrono-Barrier Skin Science™ bezeichnet dabei den wissenschaftlichen Ansatz, die Barrierefunktion der Haut nicht als statisches Ziel, sondern als dynamische, zeitabhängige Kapazität zu verstehen und zu unterstützen.

Der Faktor Rhythm steht im Zentrum dieses Ansatzes. Er bezieht sich auf drei Ebenen: Erstens auf den äußeren Rhythmus von Tages- und Nachtpflege als Grundstruktur einer wirksamen Routine. Zweitens auf die Formulierungsebene – welche Wirkstoffe wann und in welcher Konzentration eingesetzt werden. Drittens auf die Lebensrealität – denn ein gestörter Schlaf-wach-Rhythmus, chronischer Stress oder anhaltender Jetlag können die Hautuhr desynchronisieren und die Wirksamkeit selbst hochwertiger Produkte einschränken.

Der Bioactive Infusion Complex™ im chronobiologischen Kontext

Der NATURFACTOR Bioactive Infusion Complex™ kombiniert bioaktive Pflanzenextrakte, Peptide und Adaptogene, die in ihrer Wirkungsweise mit den biologischen Tagesphasen der Haut abgestimmt sind. Tagespräparate fokussieren auf den Schutzfaktor – Antioxidantien, UV-Synergisten und barrierestabilisierende Lipide, die die morgendliche Schutzlücke schließen und die Haut auf Umweltstress vorbereiten. Nachtpräparate unterstützen den Regenerationsfaktor – Wirkstoffe, die die nächtliche Proliferation, Lipidsynthese und Melatonin-Rezeptivität nutzen können.

Wichtig ist dabei eine wissenschaftlich fundierte Einschränkung: Topische Pflegeprodukte greifen nicht direkt in die molekulare Uhrwerkmaschinerie ein – sie aktivieren keine CLOCK-Gene und verändern keine PER/CRY-Zyklen. Was sie tun können: Sie stellen der Haut in dem Moment, in dem sie die entsprechenden biologischen Programme ausführt, die benötigten Ressourcen zur Verfügung. Das ist keine Regulation der Uhr – es ist die Unterstützung dessen, was die Uhr bereits anweist.

Für die Praxis

Eine chronobiologisch informierte Routine muss nicht komplex sein. Zwei Grundprinzipien genügen: Morgens Schutz (Antioxidantien, Barrierestabilisierung, Lichtschutz) – abends Regeneration (Lipide, Peptide, Retinol wenn verträglich). Die Konsistenz der Routine ist dabei wichtiger als ihre Perfektion. Ein regelmäßiger Schlaf-wach-Rhythmus, der die Hautuhr synchron hält, ist die wirkungsvollste Maßnahme überhaupt – und kostet nichts.

Desynchronisation als Hautrisiko

Chronische Desynchronisation – etwa durch Schichtarbeit, soziales Jetlag oder anhaltende Schlafstörungen – ist in der Forschung mit einer Reihe kutaner Veränderungen assoziiert: erhöhter TEWL, verminderter Hydratationsgehalt des Stratum corneum, verlangsamte Wundheilung, reduzierte antioxidative Kapazität und erhöhte Entzündungsbereitschaft. Diese Effekte lassen sich nicht allein durch Schlafmangel erklären – sie spiegeln eine genuine Störung der zirkadianen Uhr in der Haut wider.

Interessanterweise kann auch künstliches Licht am Abend – insbesondere das blaue Licht von Bildschirmen – die periphere Hautuhr beeinflussen. Rezeptoren für kurzwelliges Licht (Melanopsin, Cryptochrom) sind in der Haut nachgewiesen und können lokale Phasenverschiebungen der Uhrgene bewirken. Dies gibt dem Thema Blaulichtschutz – jenseits des Auges – eine hautwissenschaftliche Dimension, die zunehmend Forschungsinteresse auf sich zieht.

Der NATURFACTOR Ansatz berücksichtigt diese Realität. Die Empfehlung einer konsistenten abendlichen Reinigung und Pflegeroutine ist nicht nur eine Frage der Hautreinheit – sie ist ein Synchronisationsimpuls für die Hautuhr, ein tägliches Signal, das Übergang von Tag zu Nacht markiert und die biologischen Erneuerungsprogramme einleiten kann.

Kann ich durch den Wechsel zu einer abendlichen Pflegeroutine meine Haut tatsächlich verbessern?

Die Chronobiologie legt nahe, dass der Zeitpunkt der Pflege einen Einfluss auf die Wirksamkeit haben kann – insbesondere für Wirkstoffe, die regenerative Prozesse unterstützen sollen. Da die Proliferationsrate epidermaler Zellen und die Lipidsynthese abends und nachts höher ist, kann eine konsequente Abendroutine die biologische Aufnahmebereitschaft der Haut nutzen. Eine messbar bessere Haut ist jedoch das Ergebnis vieler Faktoren – Wirkstoffe, Konsistenz, Lebensstil und genetische Disposition spielen alle eine Rolle.

Was passiert mit meiner Hautuhr, wenn ich regelmäßig Schicht arbeite oder häufig Zeitzonen wechsle?

Chronische Desynchronisation der zirkadianen Uhr – durch Schichtarbeit, Jetlag oder unregelmäßige Schlafzeiten – kann die kutane Barrierefunktion beeinträchtigen, die antioxidative Kapazität der Haut senken und Entzündungsprozesse fördern. Studien an Schichtarbeitern zeigen erhöhte Hautalterungsmarker und veränderte Barriereparameter im Vergleich zu Tagarbeitern. Regelmäßige Schlafzeiten und konsequente Lichtexposition am Morgen sind die wirkungsvollsten Gegenmaßnahmen.

Hat blaues Licht vom Smartphone tatsächlich einen Einfluss auf die Haut?

Die Forschung zu direkten Hauteffekten von Blaulicht aus Bildschirmen steht noch am Anfang. Bekannt ist, dass kurzwelliges sichtbares Licht (400–450 nm) in ausreichender Intensität zur Bildung von reaktiven Sauerstoffspezies in der Haut beitragen und die Melanogenese stimulieren kann. Die Intensität von Bildschirmen ist jedoch deutlich geringer als Sonnenlicht. Indirekt kann die abendliche Blaulichtexposition die Melatoninsynthese der Zirbeldrüse hemmen und so die Schlafqualität – und damit die Hauterholung – beeinträchtigen. Bildschirmhygiene am Abend unterstützt damit auch die Hautuhr.

Wie unterscheidet sich Chrono-Barrier Skin Science™ von herkömmlicher Nacht- und Tagespflege?

Der Begriff Chrono-Barrier Skin Science™ beschreibt eine wissenschaftliche Haltung, keine Marketingkategorie. Er bedeutet, dass Produktentwicklung und Pflegeempfehlungen auf den biologischen Rhythmen der Haut aufgebaut sind – mit dem Ziel, Wirkstoffe nicht nur quantitativ, sondern auch zeitlich optimal einzusetzen. Klassische Nacht- und Tagespflege unterscheidet oft primär durch Textur und Lichtschutzfaktor. Der chronobiologische Ansatz fragt tiefer: Welche zellulären Programme laufen wann ab, und wie können Formulierungen diese Zeitfenster nutzen?

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Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und gibt den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Forschung zu chronobiologischen Prozessen in der Haut wieder. Die beschriebenen NATURFACTOR Produkte sind kosmetische Präparate. Sie sind nicht bestimmt zur Diagnose, Heilung, Linderung, Behandlung oder Vorbeugung von Krankheiten. Alle produktbezogenen Aussagen beziehen sich ausschließlich auf kosmetische Wirkungen im Sinne der EU-Kosmetikverordnung (EG) Nr. 1223/2009. Bei Hauterkrankungen wenden Sie sich bitte an einen Dermatologin oder einen Dermatologen.
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